Nazi-Raubkunst – Düsseldorfer Kunstpalast erhält Corinth-Gemälde zurück

Daniel Thalheim

Der Zweite Weltkrieg und die Nazi-Herrschaft halten uns über achtzig Jahre immer noch fest – im Großen wie im Kleinen. So auch mit den Rückgaben und Rückerwerbungen der von den Nazis geraubten bzw. beschlagnahmten Kunstwerken. Wie der Düsseldorfer Kunstpalast am 30. Mai 2022 mitteilt, kehrt so ein von den Nazi-Behörden kassiertes Bild an den Ort zurück wo es sich vor 85 Jahren noch befand: Louis Corinths Blumenstück „Blumenstillleben mit Flieder und Anemonen“.

Wie der Kunstpalast mitteilt, gehörte das 1925 entstandene Gemälde bis zu seiner Beschlagnahme im Zuge der Aktion Entartete Kunst im Jahr 1937 zum Bestand der Städtischen Kunstsammlungen Düsseldorfs. Das Gemälde wurde nach der Schau, in dem die Nazis versuchten die Künstler der Klassischen Moderne und ihre Kunstwerke als „entartet“, also als „geisteskrank“ und „undeutsch“, zu diffamieren – ein Propaganda-Akt, der nur zum Teil gelang. Dennoch sollten nach dieser Wanderausstellung Bilder und Bildwerke der Klassischen Moderne komplett aus dem Gedächtnis, der Öffentlichkeit, verschwinden. Nicht ohne mit der Kunst Kasse zu machen. Galerien halfen beim Verschwinden und Vertuschen. Der NS-Staat wollte statt bunter Figuren ein ethnisch sauberes und moralisch über alle Zweifel erhabenes Menschenbild verbreiten; in Form von Nacktdarstellungen arisch wirkender Figuren, meist streng überhöht und realitätsfremd in Szene gesetzt, sowie mit Soldaten und Mutterfiguren besetztem Kitsch.

Corinths Blumenbild verschwand ebenfalls aus der öffentlichen Wahrnehmung. 1939 bei einer von der Galerie Fischer in Luzern veranstalteten Auktion von Emil Bührle ersteigert, befand es sich seitdem in seiner Kunstsammlung bzw. in der seiner Nachfahren, weiß der Kunstpalast mitzuteilen. Die Rückerwerbung des Gemäldes von dem Galeristen und Kunsthistoriker Marco Pesarese, einem Kunsthändler, der sich ausschließlich mit der Kunst der Klassischen Moderne insbesondere der Zeit des Impressionismus bis zum Kubismus beschäftigt, wurde dank der Unterstützung zweier Stiftungen und eines Kulturministeriums möglich.

Blumenstillleben mit Flieder und Anemonen“ (1925) zählt zu den Hauptwerken des deutschen Impressionisten Louis Corinths. Neben Max Slevogt und Max Liebermann gehört Corinth zu den wichtigsten Meistern des deutschen Impressionismus. Zu Lebzeiten setzte er aus ästhetischen Gründen das „u“ seines Vornamens Louis in ein „v“ um. Wahrscheinlich übernahm er die Schreibweise von antik-römischen Inschriften. Die Römer kannten das stimmvolle „u“ nicht sondern nur das stimmlose „nju“, das in Großschreibweise dem heute gebräuchlichen Konsonanten „N“ gleicht und in der Kleinschreibweise dem heute gebräuchlichen „v“. Eigentlich müsste sein Vorname „Lnjuis“ ausgesprochen werden, bzw. in Ligatur „Luis“. Das „n“ wird verschluckt. Fälschlicherweise wird er statt Louis nun in der – eigentlich dem Latein kundigen – Kunstwelt Lovis genannt – mit vau. Und auch so geschrieben.

Künstlerisch beschäftigte sich Corinth mit religiösen, historischen und profanen Themen. Wie breit gefächert er sich thematisch aufstellte, zeigt ein Blick auf seine Bilder: „Salome“, „Schlachterladen in Schäftlarn an der Isar“, „Junge Frau mit Katzen“, „Ecce Homo“, um nur ein paar Titel zu nennen.

Sein Blumenbild ist eines der letzten Gemälde des Künstlers, bevor er verstarb. Noch zu Corinths Lebzeiten wurde das Bild in Berlin sowie anschließend bei der Großen Kunstausstellung, der Jubiläumsausstellung der Rheinlande, in Düsseldorf präsentiert. Hier erwarb es der damalige Direktor Karl Koetschau und präsentierte das Gemälde fortan in der Städtischen Kunstsammlung.

„Dieses Stillleben von Lovis Corinth ist ein wichtiger Teil der Museumsgeschichte und von einer außerordentlichen malerischen Qualität. Ich freue mich sehr, das Gemälde der Öffentlichkeit im Zuge der Neupräsentation unserer Sammlung im nächsten Jahr wieder zeigen zu können. Den großzügigen Förderern bin ich zu großem Dank verpflichtet – ohne sie wäre diese Rückerwerbung nicht möglich gewesen,” hebt Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast, hervor.

„Corinths Blumenstillleben mit Flieder und Anemonen ist so eng mit dem Kunstpalast verbunden, dass seine Rückerwerbung zwingend war“, meint Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung. „Seine Rückgewinnung trägt dazu bei, die durch NS-Kunstpolitik in den Museen geschlagenen Wunden zu schließen.“

Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder sagt zum Rückerwerb: „Nicht nur für Corinths künstlerisches Werk und dessen Bedeutung in der Kunstgeschichte ist das Blumenstillleben mit Flieder und Anemonen von Bedeutung. Es zeugt von der NS-Kulturpolitik und der Sammlungsgeschichte der Düsseldorfer Städtischen Kunstsammlung, deren Vermittlung nirgends stimmiger erscheint, als in Düsseldorf.“

Es ist nur eine Frage der Zeit, dass dieses Gemälde bald der Öffentlichkeit wieder zugänglich wird. Nach knapp einhundert Jahren Existenz hat es nichts von seiner ursprünglichen Strahlkraft eingebüßt, also ob auch der dunkle Teil seiner Geschichte von der satten Farbigkeit und dem lebensfrohen Motiv vergessen zu sein scheint.

Webseite Kunstpalast Düsseldorf

Beitragsbild:

Louis Corinth (1858-1925) Blumenstillleben mit Flieder und Anemonen, 1925
Öl auf Leinwand, 106,4 x 85,7 cm Kunstpalast, Düsseldorf, erworben mit Hilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Länder und des Landes Nordrhein- Westfalen
© Kunstpalast
Foto: Stefan Arendt

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