Träumerische Poesien – Kunstmuseum Brüssel ergründet den Surrealismus

Daniel Thalheim

Wer kennt sie nicht; mondbeschienene Traumlandschaften, obskure Kurzfilme, kuriose Figuren, zerfließende Uhren und fliegende Dampfloks. Der Surrealismus hatte nach dem Ersten Weltkrieg Europa und die USA voll im Griff. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, und mit Joan Miro und Salvador Dali bis in die Postmoderne hinein, galt diese Kunstströmung als Sammelbecken für psychologische Tiefgründigkeiten. 2024 wollen die Königlichen Museen der Schönen Künste Belgiens mit der Großausstellung „Imagine!“ eine außergewöhnliche internationale Wanderausstellung vorstellen, die in enger Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou (Paris) konzipiert wurde. Dabei wird deutlich, dass der Surrealismus mehr ist als nur eine obskure Kunstrichtung mit seltsamen Künstlern. Hinter dieser Kunstrichtung steht fast schon ein politisch gemeintes Manifest sowie der Anspruch, dass man auch die Irrungen und Wirrungen des eigenen Gemüts darstellen kann. Seelenlandschaften mit Tiefgang, sozusagen.

Was bietet Imagine! ?

Diese Leistungsschau soll dem Besucher ein Eintauchen in die surrealistische Poesie ermöglichen, den Traum, das Labyrinth, die Metamorphose erforschen aber auch das Unbekannte und das Unterbewusstsein entdecken. Willfährige Helfer sind Künstler wie Max Ernst, Giorgio Di Chirico, Savaldor Sali, Joan Miro, Jane Graverol, Dorothea Tanning, Man Ray und Leonor Fini.

Salvador Dalí, Soft Construction with Boiled Beans (Premonition of Civil War) (1936) © Philadelphia Museum of Art, Philadelphia (Pennsylvania). The Louise and Walter Arensberg collection
Salvador Dalí, Soft Construction with Boiled Beans (Premonition of Civil War) (1936) © Philadelphia Museum of Art, Philadelphia (Pennsylvania). The Louise and Walter Arensberg collection

Sowohl das Centre Pompidou in Paris als auch das Kunstmuseum in Brüssel beherbergen beherbergen den Kern der Wanderausstellung. In Brüssel werden mehr als 130 Gemälde, Arbeiten auf Papier, Skulpturen, Objekte, Assemblagen und Fotografien gezeigt- diese Kunstwerke beleuchten den Surrealismus aus einer symbolistischen Perspektive.

Surrealismus als avantgardistische Bewegung

Imagine! konzentriert sich auf die Verbindungen und Ähnlichkeiten, aber auch auf die Bruchlinien zwischen Surrealismus und Symbolismus, einem seiner Vorläufer. Nicht nur Paris, London, Wien und Berlin waren wichtige Kunstzentren sondern auch Brüssel ab 1880. Hier kochten Art Nouveau, Impressionismus und Expressionismus ebenso ein kräftiges Süppchen für Kunst und der Avantgarde, wie die Ausstellungen von Gruppen wie Les XX und La Libre Esthétique zeigen. Der Symbolismus, wie er insbesondere von Rops, Spilliaert, Khnopff, Delville und Minne verkörpert wurde, entwickelte sich in Brüssel rasch und nahm die Entstehung der surrealistischen Bewegung weitgehend vorweg. Einige Jahrzehnte später wurde Brüssel zu einem Zentrum des belgischen Surrealismus. Trotz des durch den Ersten Weltkrieg verursachten kulturellen Bruchs haben sich die älteren Symbolisten und die aufstrebende Jugend nie grundlegend voneinander entfremdet.

IMAGINE! 100 Years of International Surrealism

Royal Of Fine Arts in Belgium

21. Februar bis 21. Juli 2024

Hinterlasse einen Kommentar