Daniel Thalheim
Im Laufe des Februar öffnet die National Gallery Of Arts in Washington den Vorhang für ein in Europa viel besprochenes und einflussreiches Thema; Expressionismus. Unter dem Motto Der besorgte Blick: Der deutsche Expressionismus und sein Erbe will Einblicke in das Werk von vielen innovativen Künstler des frühen 20. Jahrhunderts und in ihre Wirkung ein Jahrhundert später geben.
Was Der besorgte Blick uns zeigen will
Auch wenn die Leistungsschau nicht alle Aspekte des Expresionismus und der realistischen Sachlichkeit wiedergeben kann, wie z.B. seine Ableitung von den französischen Fauves um 1900, die Weiterbildung des Expressionismus als Niederschlag im Bitterfelder Weg in der DDR von 1961 und als staatstragende und kapitalismusfeindliche Künstlersprache bis 1990, so können Besucher eine eindrucksvolle Sammlung bestaunen. Die National Gallery of Art besitzt bedeutende Bestände an Druckgrafiken und Zeichnungen der deutschen Expressionisten Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde. Die Ausstellung zeigt sowohl Neuerwerbungen als auch Werke, die selten oder gar nicht zu sehen waren, darunter Schenkungen der berühmten Sammler Jacob und Ruth Cole Kainen aus Washington, DC. Zu den Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts, die in mehr als 70 Grafiken, Zeichnungen, illustrierten Büchern, Mappenwerken und Skulpturen vertreten sind, gehören Otto Dix, Käthe Kollwitz, Egon Schiele, Karl Schmidt-Rottluff und weniger bekannte Künstler wie Walter Grammatté.
Der Expressionismus und die Gegenwartskunst
Mit ihrer kühnen Bilderfindungen und Farbempfindungen versuchten die deutschen Expressionisten noch vorm Entstehen der Weimarer Republik, die dramatischen Veränderungen sowie Verwerfungen in der Welt um sie herum während der von gesellschaftlichen und politischen sowie geopolitischen Umbrüchen geprägten Welt zu katalysieren. Hinzu kommt die Beschäftigung mit kolonialen Aspekten im Kunstschaffen; Japonismus, Afrikanismus. Mit ihrem Mut zur Abstraktion und Verfremdung wird ihr Zwiespalt mit den vorherrschenden Verhältnissen deutlich. Die von einer aggressiven Handelspolitik, Innenpolitik, Außenpolitik im Wilhelminismus und letztlich durch Erstem Weltkrieg und danach folgender Revolution samt bürgerkriegsähnlichen Zuständen, Inflation und Deflation geprägte historische Periode von 1900 bis ca. 1930 interpretierten die Künstler als Tanz auf dem Vulkan, als Fegefeuer und als dystopische Welt voller Widersprüche.
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu dieser wilden Epoche vertiefen unser Verständnis für diese Künstler und ihre künstlerischen Erben. Gerade die Erbschaft der Generation 1920 näher zu beleuchten wird interessante Erkenntnisse hervorholen. Welche Linien werden weitergeführt, lassen sich Vergeliche aufmachen oder auch Gegensätze?
Die in der Ausstellung gezeigten Künstler der Zeit nach 1950 und der Gegenwart – Leonard Baskin, Nicole Eisenman, Orit Hofshi, Rashid Johnson, Matthias Mansen und andere – führen das reiche Erbe der deutschen Expressionisten fort. Diese späteren Künstler laden uns ein, die sozialen, politischen und kulturellen Veränderungen zu vergleichen, die heute in unseren eigenen Gesellschaften stattfinden.
Anxious Eye – The german Expressionism and its Legacy
11. Februar bis 27. Mai 2024
Washington Gallery Of Arts
West Building, Ground Floor, West Outer Tier







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