Daniel Thalheim
Mit dem Aufbruch des oströmischen Stadtstaates Byzanz im 15. Jahrhundert in Richtung Westeuropa brach sich eine Rückbesinnung auf die griechisch-antiken Wurzeln dieser in den Atlantik hineinragenden Landzunge Bahn. Werte wie Ästhetik, Schönheit und Anmut verdrängten rein religiös formelle Ansichten, die als Aberglaube in der Bevölkerung und als Glaube in den Klöstern gehütet wurden. In der Malerei trat außerhalb des klerikalen Kontext ein Wettstreit um den europäischen Meisterschaftspokal auf die Bühne, wer am vortrefflichsten und am realistischen seine Umwelt abbildet. Zu den wahren Meistern der Zeit um 1500 gelten nördlich der Alpen Hans Holbein d.Ä., Albrecht Dürer und Hans Burgkmair.
Von Frankfurt nach Wien
In Deutschland konnten Schulklassen, Studierende, Künstler und Kunstinteressierte von November 2023 bis Mitte Februar 2024 im Städel in Frankfurt am Main eine Ausstellung besuchen, die wie keine andere tiefe Einblicke in die Gedanken, Gefühls- und Machtwelten der Menschen um 1500 bot wie Holbein. Burgkmair. Dürer – Renaissance im Norden. Kunstbegeisterte können nun ab Mitte März bis Ende Juni 2024 im Kunsthistorischen Museum in Wien die Ausstellung erneut aufsuchen. Nirgendwo anders als in der österreichischen Landshauptstadt tritt diese Zeit zwischen Mittelater und Frühmoderne so scharf und klar hervor. Hier im einstigen Zentrum des habsburgischen Machgefüges über Mittel- und Südosteuropa, später mit Spanien und Mesoamerika über die halbe damals bekannte Welt, begann die Renaissance nördlich der Alpen Fuß zu fassen.
Renaissance im Norden Europas
Das Kunsthistorische Museum Wien fokussiert seine Frühjahrsausstellung 2024 auf drei herausragende Wegbereiter der Renaissance in Mitteleuropa: Hans Holbein d.Ä., Hans Burgkmair und Albrecht Dürer. Nach Wien und München wurde Augsburg, als Sitz der Kaufmannsfamilie und Kaiserhausfinanzierer Fugger, zu Beginn des 16. Jahrhunderts von der Kunst Italiens beeinflusst. Wie sehr in dieser süddeutschen Stadt der Brennpunkt der Frühmoderne lag, belegen heute immer noch eindrucksvoll die wichtigsten Augsburger Maler dieser Epoche: Hans Holbein d.Ä. (um 1464–1524) und Hans Burgkmair (1473–1531). In der Ausstellung in Wien treten ihre schon damals in den Königs- und Kaiserhäusern Europas hoch gehandelten Werke dieser beiden gegensätzlichen Künstler in bewegenden Dialog mit Arbeiten des Nürnberger Malers Albrecht Dürers (1471–1528) und weiterer deutscher, italienischer und niederländischer Meister, wie etwa dem ebenfalls aus Augsburg stammenden Hans Holbeins d.J. (1497/98–1543).
Die von Krieg, Entdeckungsdrang, religiösem Wahn geprägte Epoche um 1500 wird anhand der Porträts, religiösen und mythologischen Arbeiten für die heutigen Menschen abseits der Swombie-Kultur lebendig und nachvollziehbar. Auch die Rolle der Reichs- und Handelsstadt Augsburg als Zentrum der Renaissance im Norden wird scharf umrissen. Mehr als 160 Gemälde, Skulpturen und andere Werke aus zahlreichen der wichtigsten Sammlungen Europas und der Vereinigten Staaten veranschaulichen wie vielfältig die damaligen Menschen agierten, dachten und fühlten.
Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Städel Museum in Frankfurt, wo sie vom 2. November 2023 bis 18. Februar 2024 unter dem Titel Holbein und die Renaissance im Norden gezeigt wird.
Holbein. Burgkmair. Dürer – Renaissance im Norden
Kunsthistorisches Museum Wien
19. März bis 30. Juni 2024
Abb. Titel: Hans Burgkmair d.Ä., Bildnis eines jungen Mannes, 1506. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 6944







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