Lebensfroh in Amsterdam – Rijksmuseum zeigt Werke von Frans Hals

Daniel Thalheim

Aus den Niederlanden des 17. Jahrhunderts kennen wir realistische Malerei wie aus dem Leben gegriffen; Maler wie Jan Vermeer van Delft, Rembrandt van Rijn und Peter Paul Rubens prägen die Malereilandschaft während des Dreißigjährigen Krieges und danach. Sie läuteten nördlich der Alpen das Zeitalter des Barock ein. Wie seine bekannten Zeitgenossen tritt Frans Hals als außerordentlich produktiv, innovativ, unterhaltsam und ein wenig rau auf. Das Rijksmuseum in Amsterdam zeigt seit diesem Wochenende eine umfangreiche Werkschau des Künstlers.

Der malende Engel von Haarlem

Frans Hals war einer der vielen Maler, die das 17. Jahrhundert prägten. Allein in den Niederlanden könnten wir anhand der zahlreichen Namen den Eindruck gewinnen, hinter jeder Ecke lauerte ein Mann mit Farbpalette und Pinsel bewaffnet. In Frankreich des Barockzeitalters war die Situation nicht anders. In Italien traten sich die Maler gegenseitig auf die Füße. Viele kennen wir nicht mehr, oder nur vage. Doch Frans Hals‘ unverwechselbarer, freilaufender – fast schon impressionistischer – Malstil wurde so einflussreich, dass Forscher und Laien gern vergessen, dass er der Begründer jenes Stils war, für den auch Rembrandts Werkstatt berühmt wurde. Anfang der Neunzigerjahre wurde ihm eine große Ausstellung beschert. Nach dreißig Jahren ist es nun höchste Zeit für eine neue Retrospektive.

Wen die Ausstellung zeigt

In Frans Hals: Strokes of Genius entführt die britische Schauspielerin Joanna Lumley in der Online-Ausstellung als Erzählerin den Besucher in das Haarlem des 17. Jahrhunderts, wo Frans Hals die erste Adresse für ein gutes Porträt war. Ob es sich um einen stattlichen Regenten, ein verliebtes Paar, einen Musiker, einen Fischverkäufer oder ein lachendes Kind handelt, mit seinem innovativen Malstil verlieh Hals seinen Motiven eine nie dagewesene Beweglichkeit und Lebendigkeit. Wenn wir uns seine Lebensgeschichte in Frans Hals: Strokes of Genius nähern, erweckt die Schauspielerin diese porträtierten Menschen noch mehr zum Leben. Sie erfahren auch mehr über Frans Hals selbst und erkunden, warum sein Malstil so revolutionär war. Außerdem wird es zum ersten Mal möglich sein, seine Gemälde bis ins kleinste Detail zu vergrößern. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der freizügige wie lebendige Stil von Frans Hals. Ein Stil, der zu seiner Zeit in den Niederlanden ihm Lob und Ansehen und ihm in der Forschungswelt seit der Zeit um 1900 den Ruf eines Vorreiters des Impressionismus einbrachte. Die Ausstellung zeichnet ein faszinierendes Bild der Zeit, in der er lebte. Der „bürgerliche Realismus“, den Frans Hals meisterhaft beherrschte, gibt einen bemerkenswerten Einblick in das Leben seiner Gönner und in die Normen, Werte und Traditionen seiner Zeit.

Erstmals in Amsterdam

Aus dem umfangreichen Oeuvre von Frans Hals wurde eine Auswahl von etwa fünfzig Schlüsselwerken getroffen. Darunter befinden sich Werke aus der eigenen Sammlung des Rijksmuseums; Der fröhliche Trinker und Porträt eines Paares. Eine Reihe von besonderen Leihgaben, wie Der lachende Kavalier aus der Wallace Collection in London, ein Werk, das normalerweise nie auf Reisen geht, sowie Catharina Hooft mit ihrer Amme und Malle Babbe (Gemäldegalerie, Berlin), Familiengruppe in einer Landschaft (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid) und Obstund Gemüsehändler (Privatsammlung Bridgenorth), vervollständgen die Schau. Die Ausstellung bietet eine weitere Premiere: Das Gruppenporträt Das Bankett der Offiziere der St.GeorgsBürgergarde von 1616 (Frans Hals Museum, Haarlem) wird zum ersten Mal außerhalb der Stadt Haarlem zu sehen sein.

Wer Frans Hals war

Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen und erlebte eine turbulente Kindheit. Frans Hals wurde zwischen 1582 und 1584 in Antwerpen als Sohn eines Webers geboren. Im Jahr 1585 floh die Familie vor der spanischen Invasion und landete in Haarlem. Dort wurde Frans von dem Maler Karel van Mander ausgebildet. Im Jahr 1610 trat er der Haarlemer Malergilde bei und wurde ein unabhängiger Künstler mit eigenen Lehrlingen und Assistenten, darunter Judith Leyster. Frans Hals wurde für seinen „rauen Stil“ gefeiert, bewundert und manchmal auch verachtet, wobei er sich vor allem auf Porträts konzentrierte und auch meisterhafte Milizbilder schuf. Frans Hals starb 1666 und ist in der Grote Kerk in Haarlem begraben.

Frans Hals: Strokes of Genius

16. Februar bis 9. Juni 2024

Amsterdam Rijksmuseum

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