Ein in Holz gehackter Zodiak in der Kunsthalle Amsterdam

Daniel Thalheim

Balkenhol. Das ist der Name, der für Holzskulpturen steht. Meist männlich. Meist stereotyp. Das scheint uns so auf den ersten Blick. Doch der aus Fritzlar stammende Künstler kann mehr. Er füllt seine Figuren mit Inhalten. In seiner neuesten Ausstellungen begegnet uns der Tierkreis. Ein Zodiak aus Mischwesen mit menschlichem Körper und aus der Tierwelt stammendem Kopf. Schon britzeln die Synapsen, wenn es um diese Art der Darstellungen geht. Die Kunsthalle Amsterdam zeigt bis Mitte September seine neuesten Werke.

Ein robuster Ritt durch die Kunst- und Kulturgeschichte Europas und Afrikas

Wenn die Kunsthalle Amsterdam zur laufenden Ausstellung Somethings Happening meint, in Balkenhols Figuren liege die Kulturgeschichte Nordafrikas und Europas verborgen, dann spannt sie den Bogen bis hinein in die antik-ägyptische und mesopotamische Historie, wo geflügelte Entitäten, Tier-Mensch-Mischwesen jeglicher Coleur und sonstige mythologischen Fabelwesen sich über den Haufen rennen, immer wieder in den Folgejahrhunderten bis hinein ins 19. Jahrhundert rezipierend, sei es in den Erzählungen Marco Polos, in den Bibelschriften des Mittelalters, alten Kartenwerken und selbst in den Gemälden der Frühmoderne. Balkenhol stellt sich in diese Traditionslinie selbstbewusst hinein. Perseus, Igel, Hai und Skorpion. Nicht jedes Tier lässt sich einem Tierkreiszeichen zuordnen. Doch Tiere verbildlichen auch in esoterischen Kreisen Kraftformeln für die Seele. Insofern bewegen sich Balkenhols neue Werke auch in eine schamanische Sicht der Ding hinein.

Gesellschaftliche Gesamtbetrachtungen

Gleichzeitig identifizieren Menschen sich mit Tierkreiszeichen, Horoskopen, Krafttieren und all dem in sich gekehrten und doch fast okkulten Stoffen. Wo der sachlich-nüchterne Sachbearbeiter den Kopf voll mit Palmblattprophezeiungen hat, vielleicht mit dem Igel ein Stück weit gesunde Natur im Garten verbindet in der Medusa seine Faszination für alte Geschichten und Mythen sieht, da sieht der Betrachter diesen neutralen Anzugmann, austauschbar und chimärenhaft mit einem Tierkopf. Nicht mehr. Zunächst. Beim Betrachten öfnet sich das eigene Bewusstsein, das Wissen, die Reflektion und die Erkenntnis, dass wir kulturell immer noch mit den Menschen von Göbekli Tepe, Babylon und Luxor viel gemeinsam haben.

Stephan Balkenhol

Something’s Happen

Kunsthal Amsterdam

Bis 14. September 2025

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