
Kann Kunst nicht einfach nur schön sein? Nicht immer muss Kunst streitbar und umstritten sein. Beim diesjährigen Frühjahrsrundgang der Galerien auf dem Gelände der Alten Baumwollspinnerei wurde klar, dass Kunst durchaus zum Event mutieren darf. Es gibt aber auch Mut zur Meinung. Ein Mammut-Marathon auf eine Party der Farben.
Eigentlich erwartet man, dass Kunst streitbar ist. Dass Kunst, sei es Malerei, Objektkunst, Grafik und Plastik, Bezüge auf aktuelle Verwerfungen der Gesellschaft, Brüche in der Politik, Konflikte und Diskussionen kommentiert. Das aufzuzeigen ist nicht zwingend Aufgabe der Künstler, aber beim diesjährigen Rundgang, Jubiläum und Rückschau hin oder her, gab es sehr wenig zu sehen, das die heutige Welt mit Ukraine-Krieg, Afrika-Misere, Islamismus, Islamischer Staat, Boko Haram, Terrorgefahr, Wirtschaftskritik, Grexit, BND-Affäre, NSA, NSU, Rechtsradikalismus, Vorurteile, Ausgrenzung, Gewalt und vieles andere mehr unter die Lupe nimmt – zumindest die großen Ereignisse.
Man wünscht sich schon einen Kommentator wie Gerhard Richter herbei, keinen, der mit Hitler-Klamauk von sich Reden macht, sondern jemanden, der die heutige Gesellschaft, sprich: uns, den Spiegel vorhält. Was sehen wir, wenn wir in die Galerien hineinschnarchen, beim Prosecco und Szene-Bier gute Miene zum heiteren Tanz auf dem Vulkan machen? Es scheint, dass die Künstler einen Scheuklappenblick haben. Der Schein trügt. Unter der Oberfläche kann Kunst schon knarzen. Der Lichtkegel wird auf das alltägliche Leben geworfen. Schon sind die Künstler bei einem anderen, vielleicht gar nicht so plakativen Thema angelangt: die Banalität der Wohlstandsgesellschaft, die Flucht ins Ich, ins Idyll, vielleicht sogar ins Tabula Rasa. Am Ende überspannt die Aufschrift „Jubiläum“ das Spinnerei-Event. Was bleibt, ist ein Feiern mit sich selbst.







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