Daniel Thalheim
Aby Warburg hatte für sich den Anspruch, die Grenzen zu anderen Disziplinen zu überschreiten. Eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle will sich der Frage nach der Migration von Bildern, Formen und Ideen widmen. Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit parawissenschaftlichen Methoden soll dabei Warburgs Bilderatlas „Mnemosyne“ sein, wobei die aktuelle und künftige Tauglichkeit von Warburgs Werk für die kunst- und bildgeschichtliche Praxis im Fokus steht. Ein Irrtum? Ein Schrecknis!
Um was es Aby Warburg ging
Um Erkenntnis soll es ihm gegangen sein. Doch was er sich ausdachte, ähnelt den wirren Ansichten aus der Fensehreihe „Ancient Aliens“ bzw. den Publikationen aus dem Kopp-Verlag. In den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte der Kunst- und Kulturwissenschaftler Aby Warburg (1866–1929) seinen Bilderatlas Mnemosyne. In diesem Werk zeichnet er wiederkehrende visuelle Themen, Gesten und Muster von der Antike über die Renaissance bis zur Gegenwartskultur. Grundlage sind esoterische und astrologische Ansätze. Seine Methode lässt die Quellenstudie außen vor, der ikonologische Bildvergleich bewegt sich schon im parawissenschaftlichen Bereich. Dabei hatte er so hochfliegende Pläne. Wollte die Kunstwissenschaft revolutionieren. Übrig blieb von seinem Ansatz lediglich ein kindischer Versuch, die herkömmliche Kunstwissenschaft auszuhebeln. Was er damals zu Lebzeiten nicht schaffte, arbeitet sich leider nun auch in Deutschland vor. Es ist ungemein schwieriger in den Quellen nach Antworten zu suchen als seine eigenen Antworten aus der Luft zu greifen. Wie irrig Warbug durch die Kunstwelt lichterte, zeigt ein Besuch in der Bundeskunsthalle in Bonn.
Ist seine Methode wirklich richtig, dass sie gewürdigt werden kann?
«Ich will lieber mit den Adlern irren, als mit den Würmern Recht haben.»
Dieses Zitat verdeutlich, in welchen Sphären er sich bewegte. Aby Warburg beschäftigte sich in seinem Projekt mit Wechselwirkungen von Bildern aus verschiedenen Epochen und kulturellen Kontexten. Daraus entwickelte den Bilderatlas Mnemosyne, um die Einflüsse der Antike auf die Renaissance und weit darüber hinaus bildlich darstellbar zu machen. Sein Bilderatlas besteht in seiner letzten Version aus 63 großen schwarzen Tafeln, auf denen Warburg fotografische Reproduktionen von Kunstwerken aus dem Mittleren Osten, der europäischen Antike und der Renaissance neben zeitgenössischen Zeitungsausschnitten und Werbeanzeigen zusammenhanglos anordnete. Schon die Gegenüberstellung ist nicht wissenschaftlich und dermaßen abwegig, dass sich kein ernstzunehmender Kunstwissenschaftler mit diesen Theorien beschäftigen möchte. In den Jahren vor seinem Tod 1929 experimentierte Warburg zusammen mit Gertrud Bing und Fritz Saxl mit Form und Funktion des Bilderatlas‚. Ihr Ziel war eine Publikation, die sowohl für die Diskussion zwischen Fachleuten als auch für das unkundige Publikum gedacht war.
Diese Methode ist als schlechtweg falsch anzusehen. Kunst ist immer propagandistischen Zwecken und damit auch zeitläufigen Ansichten unterworfen. Aufgabe von Kunstwissenschaftlern ist es derzeit, Zusammenhänge zwischen Kunst und Politik bzw. Gesellschaft herzustellen. In welchen Systemen entstand Kunst bspw., sind allgegenwärtige Fragen unserer Zeit. Diese Zusammenhänge zu entkontextualisieren, ist ein grundlegend falscher Weg. Es ist pure Sternendeuterei. Was Warburg ins Leben gerufen hat, lässt Kunst nicht über Epochen hinaus richtig lesbar werden. Kunst wird so ein absurdes Monstrum der eigenen Ansichten und Gefühle, Warburgs Ansichten haben nichts mit einem Zeitgeist zu tun – es sein denn, das alte wird in neue Kontexte gestellt. So bleibt immer nur Propaganda übrig.
Warburg irrte mit den Würmern als mit den Adlern zu fliegen. Der Luftikus war nicht umsonst in psychiatrischer Behandlung. Und doch wird sein Theorem auf einen Sockel gestellt. Was noch viel schlimmer ist; nun hat die gefährliche Cancel Culture Bewegung noch ein Fundament eines Irren, worauf sie ihre kruden Thesen aufbauen kann, auch zerstörerisch mit überlieferter Kunst umzugehen. Die unwissenschaftliche Betrachtung Warburgs wird so zur propagandistischen Methode des Plebs, sich der Bilderstürmerei zu bemächtigen, indem Bilder wegen angeblicher sexistischer, rassistischer und gewaltverherrlichender Darstellungen abgehängt, bzw. sogar zerstört werden. Die Debatte darum, wissenschaftlich wie auch nicht-wissenschaftlich, wird so untergraben und auf den Kopf gestellt. Das betrifft leider auch unsere Sprache, unsere benennungen für irgendwelche Ortschaften und Straßen. Da tun sich leider Grüne wie Linke keinen Gefallen damit. Anstatt die bestehenden ungerechten Sozial- und Gesellschaftsgefüge umzustürzen und zum Wohl aller zu verändern, beantragt man lieber die Umbenennung einer Ortschaft wie Negernböthel und das Verhüllen eines Gemäldes von Hans Makart.






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